Handzeichen am Fussgängerstreifen

Handzeichen von Fussgängern

Bis 1994 verlangte die Verkehrsregelnverordnung (VRV) des Bundes, dass Fussgänger den herannahenden Fahrzeugen mit einem Handzeichen ihre Absicht bekunden mussten. Gleichzeitig legte aber das übergeordnete Strassenverkehrsgesetz (SVG) fest, dass den Fussgängern der Vortritt auf dem Fussgängerstreifen ohne Einschränkung zusteht. Damit entstand ein rechtliche Unklarheit und das Bundesgericht verlangte vom Gesetzgeber eine Klärung. In Übereinstimmung mit den im Ausland geltenden Gesetzen wurde deshalb 1994 das Handzeichen-Obligatorium aufgehoben (heutiger Text siehe „Einleitung“).
Die Aufhebung des Handzeichen-Obligatoriums ist von einigen als Verbot, Handzeichen zu geben, missinterpretiert worden. Hier will die Kampagne eine Klärung bringen: Handzeichen sind nicht obligatorisch, aber wer damit eine Situation klären möchte, kann dies tun. Nur Kindern wird davon ausdrücklich abgeraten, denn allzu oft haben Kinder geglaubt, man könne ein Auto mit einem Handzeichen anhalten. Mit einem Handzeichen sollte aber niemand ein Auto zum brüsken Bremsen veranlassen. Der Fussgänger-Vortritt gilt deshalb richtigerweise nicht auf Grund eines Handzeichens, sondern aufgrund des Abstandes eines herannahenden Fahrzeuges, der zum Bremsen und Anhalten ausreichend sein muss. Diese Lösung ist die einzige, die von allen richtig verstanden werden kann, sie verlangt aber einen Augenblick Aufmerksamkeit vom Fussgänger.


Eine Rückkehr zum alten Handzeichen-Obligatorium kommt weder für den TCS noch für Fussverkehr Schweiz in Frage, nicht nur weil dies geltendes internationales Recht verletzen würde, sondern sie stünde auch im Wiederspruch zu dem, was die Kinder heute in der Schule lernen. Bei Kindern und alten Menschen kann das Handzeichen ein falsches Sicherheits-gefühl schaffen. Aus diesen Gründen wurden neue tragfähige Lösungen gesucht. Die Kampagne "Gelbes Zebra" ist ein Beispiel dafür, denn sie befürwortet den Grundsatz einer "wechselseitigen" Aufmerksamkeit. Diese besteht darin, dass alle am Verkehr Teilnehmenden das Unfallrisiko verringern, indem sie den von einer anderen Person begangenen Fehler durch ihr Verhalten kompensieren. Verhaltensempfehlungen gehen somit weiter als Gesetze und Verordnungen: Sie müssen so formuliert werden, dass auch dann kein Unfall geschieht, wenn jemand unvorsichtig ist oder eine Vorschrift missachtet. Das gilt sowohl für Fussgänger/innen, die damit rechnen müssen, dass Autolenkende das Vortrittsrecht auf dem Fussgängerstreifen missachten, als auch für die Autolenkenden, die damit rechnen müssen, dass jemand unvermittelt die Fahrbahn betritt. Die Vorsicht des Schwächeren und die Rücksicht der Stärkeren müssen sich gegenseitig ergänzen.


Handzeichen von Fahrern

Wer sich im Verkehr mit einem Handzeichen verständigen will, muss sich auch versichern, dass das Handzeichen richtig verstanden wird. Handzeichen von Lenkern werden manchmal nicht gesehen, wenn die Scheiben verdunkelt sind oder spiegeln. Es haben sich schon schwere Unfälle ereignet, weil Handzeichen falsch verstanden worden sind. Wenn beispielsweise jemand einer anderen Person zuwinkt und wenn dies als Aufforderung hinüberzugehen interpretiert wird, können die Folgen fatal sein (auch das Winken des Fussgängers kann, umgekehrt, als Verzicht auf sein Vortrittsrecht missverstanden werden).
Auch sollte niemand einen Fussgänger – und insbesondere ein Kind – mit einem Handzeichen zum Hinübergehen auffordern, ohne ganz sicher zu sein, dass in diesem Moment niemand überholt oder auf der gegenseitigen Fahrbahn entgegen kommt.